Hauptrednerin Clauidia Haydt, Die LINKE. auf der Anti-Siko-Demo 19.02.2019, München

20. Februar 2019  Darum gibt es uns

Nein zu Krieg und Atomarer Aufrüstung

 

 

Rede von Claudia Haydt bei den Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz 2019

Kennt ihr das? Da stellt jemand etwas fest, das klingt absolut richtig und dann zieht die Person die völlig falsche Schlussfolgerung. Ursula von der Leyen sagte gestern: „Wir wissen dass wir mehr tun müssen.“ Und ja, natürlich stimmt das.

  • Im Jemen leben und sterben Millionen von Menschen in erbärmlichen Umständen. Dieses Sterben und Hungern muss gestoppt werden.
  • Und ja, wer die Bundeswehr in die ganze Welt schickt, sollte dringend nachsehen, was sie dort überhaupt tut. Ich erwarte von der Bundeswehr und der Bundesregierung, dass sie Bilanz ziehen, wie viele Tote, wieviel Zerstörung, wieviel Hunger und Armut das Ergebnis sind von 25 Jahren Auslandseinsätzen.
  • Ich erwarte, dass Ursula von der Leyen, als Teil ihrer Hausaufgaben, offenlegt, wie viele Verträge mit sündhaft teuren Beratern vom Verteidigungsministerium abgeschlossen wurden. Dass hier Steuergelder in gigantischem Umfang ausgegeben wurden und uns niemand sagen kann, wozu die Gelder genau verwendet wurden, das zeigt doch schon, dass sie unsere Steuergelder nicht verdient haben – nicht für den Krieg und auch sonst nicht.
  • Und ja, es gibt einen rechten Sumpf in der Bundeswehr, den die Ministerin dringend trocken legen müsste. Es gibt Nationalisten, Rechtsextreme, Wehrmachtfetischisten und so weiter in der Bundeswehr – und das sind keine Einzelfälle. Hier ist viel zu tun. Nazis raus!
  • Die Doomsday Clock, die sogenannte Weltuntergangsuhr steht seit über einem Jahr auf zwei Minuten vor zwölf. Die Wissenschaftler, die Jahr für Jahr diese Bedrohungsuhrzeit festlegen, haben zwei Gründe dafür benannt. Der eine ist der Klimawandel, gegen den die hier bei der Sicherheitskonferenz Versammelten, nichts aber auch gar nichts machen. Im Gegenteil, sie tragen zu seiner Verschärfung bei. Und der zweite Teil der Begründung ist die atomare Aufrüstung vor der wir zurzeit stehen. Die Wissenschaftler sagen klar, dass das was der Öffentlichkeit als Modernisierung von Atomwaffen verkauft wird, an keiner Stelle unterscheidbar ist von einem neuen Wettrüsten. Wir sind hier, weil wir kein atomares Wettrüsten in der Mitte Europas und auch sonst nirgendwo akzeptieren werden.

 

Die einzige Antwort die von der Leyen auf all diese Herausforderungen hat, ist: noch mehr Geld fürs Militär. Ich muss sagen, ich verstehe das nicht. Im Haushalt 2019 werden 4,7 Milliarden zusätzlich fürs Militär bereitgestellt. Und gleichzeitig wird uns erzählt, dass Haushaltslöcher drohen und deswegen kein Geld für Rentenerhöhungen da sei.

Dabei ist es doch so einfach. Kürzt das Geld beim Militär und  finanziert vernünftige zivile Projekte. Alle würde profitieren: global gesehen und wir hier auch. Doch wenn die NATO ihr Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ins Militär zu investieren, wirklich umsetzt, dann würden sich die Ausgaben für die Bundeswehr in den nächsten Jahren in Richtung 80 Milliarden Euro bewegen.

Damit würde Deutschland das Land in Europa sein, das mit Abstand am meisten Geld ausgibt für Rüstung. Auch Russland gibt deutlich weniger aus und plant zurzeit auch keine substantiellen Erhöhungen. Die EU Staaten liegen schon heute global auf Platz zwei bei den Rüstungsausgaben und und überholen nicht nur Russland sondern auch China deutlich.

Geschichtlich betrachtet war eine hochgerüstetes Deutschland in der Mitte Europas noch nie eine gute Nachricht, weder für unsere Nachbarn noch für den Rest der Welt. Wir wollen keine deutsche Hochrüstung. Das einzige „Vorangehen“ das wir wollen heißt „Abrüstung“.

Schon jetzt geben wir in diesem Land dreimal mehr Geld aus fürs Militär wie für Bildung. Angesichts dessen ist es kein Wunder wenn Lungenärzte nicht rechnen können…

Doch – Witz beiseite – wird sind tatsächlich mit weitreichend Problemen konfrontiert. Selbst die deutsche Bahn hat nun einen Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr abgeschlossen. Natürlich liegt es nahe zu sagen: „Bleibt einfach auf dem Abstellgleis stehen, das passt so!“ Leider muss der Inhalt des Vertrags sehr nachdenklich stimmen. Die Bundeswehr investiert 100 Millionen Euro dafür, dass pro Jahr 1.300 Transporte, ganze Züge, an den Osten des Bündnisgebietes, also an die Grenze Russlands transportiert werden können. Wer so eine Aufrüstung, so einen Aufmarsch plant, dem müssen wir das Handwerk legen.

Wenn Ihr Argumente braucht, für Menschen die sonst politisch nicht interessiert sind: Teil des Vertrags ist es, dass zukünftig dieser Güterverkehr Vorrang hat vor dem Personenverkehr.  Sonst ist das umgekehrt – Güterverkehr muss warten, Personen haben Vorrang. Bei der Bundeswehr heißt es: Militär hat Vorrang vor Zivil. Das geht gar nicht!

Gerade reden alle über „Für oder gegen Europa“. Ich bin überzeugt, einer der größten Angriffe auf das Zusammenleben in Europa ist das was zurzeit mit der Militarisierung der Europäischen Union umgesetzt und geplant wird. Hier werden tiefe Gräben quer durch Europa gegraben. Die Europäische Union in ihrer jetzigen Verfassung ist definitiv kein Friedensprojekt. Lasst mich das in Zahlen ausdrücken. Im nächsten mehrjährigen Haushalt der EU sind knapp 50 Milliarden vorgesehen für Rüstungsproduktion, Rüstungsentwicklung, Rüstungsforschung, für Aufrüstung und Militarisierung. 6,5 Milliarden sollen bereit stehen für die Infrastruktur um noch mehr Züge und  Panzertransporte Richtung Osten zu ermöglichen. 10,5 Milliarden sollen in einen Schattenhaushalt fließen und für eine sogenannte Friedensfazilität ausgegeben werden, die im Kern nur eine Kriegskasse ist. 33 Milliarden sind zukünftig für Frontex, also für die Abschottung gegen Flüchtlinge vorgesehen. Insgesamt geht es um etwa 100 Milliarden für Abschottung und Krieg. Es tut mir wirklich leid, aber das ist kein Friedensprojekt.

Unter dem Deckmantel dieses sogenannten europäischen Friedensprojekts wird nun auch das Projekt einer so genannten europäischen Atombombe vorbereitet. Dabei geht es um die französischen Atombomben, die dann auch mit dem Geld deutscher Steuerzahler modernisiert, eventuell auch teilweise unter deutscher Verfügungsgewalt, einen sogenannten atomaren Schutzschild gegen Russland aufbauen sollen. Noch sind es nur Pläne, wahnsinnige Pläne.  Lasst uns diese Waffen immer ächten. Lasst uns darauf drängen, dass der Atomwaffenverbotsvertrag umgesetzt werden kann. Und lasst uns nie glauben, dass Atomkriege führbar seien. Niemand ist sicher bei einem Atomkrieg, niemand ist sicher vor dem elenden Sterben und Leiden das diese Waffen verursachen.
Nein zur atomaren Aufrüstung!

Ich warne jetzt schon davor: diese so genannte „europäische Atombombe“ wird uns möglicherweise als das kleinere Übel verkauft, als Alternative zu möglichen neustationierten Mittelstreckenraketen, die Trump im Zuge der Aufkündigung des INF-Vertrages bereits angekündigt hat.

Wir sind uns auf diesem Platz wohl alle einig. Wir wollen keine US-Amerikanischen Mittelstreckenraketen in Europa, aber auch keine französischen und auch keine „europäischen“ Atomwaffen. Wir wollen gar keine!

Ganz ehrlich: wir kommen nicht daran vorbei, global abzurüsten und neue Verträge abzuschließen. Aber wir haben dabei ein großes Problem: wer soll den NATO-Staaten und der USA eigentlich noch Vertrauen schenken wenn sie Verträge abschließen? Wir sind konfrontiert mit einer ganzen Reihe von Vertragsbrüchen und Völkerrechtsbrüchen. Der Bruch der NATO-Russland-Akte, wiederholte völkerrechtswidrige Angriffskriege, der Bruch des Abkommens mit dem Iran, die Aufkündigung des INF-Vertrags und völkerrechtswidrige Regimechange-Politik. Aber trotz allem müssen wir am Völkerrecht festhalten, sondern setzen sich Entwicklungen wie wir sie gerade in Venezuela erleben immer weiter fort.

Es kommt für unsere friedenspolitische Grundsatzposition nicht darauf an, ob die jeweiligen Staatschefs oder Präsidenten in einem Land Demokraten oder Autokraten sind, denn innenpolitische Veränderungen sind Sache der Menschen in diesen Ländern. Es steht weder den USA noch den NATO-Verbündeten zu, zu bestimmen, wer deren rechtmäßige Präsidenten sind. Wer wie Außenminister Maas den Oppositionspolitiker Guaido als Präsidenten anerkennt, der tut damit nichts für die Demokratie, er macht damit alles gegen das Völkerrecht und er riskiert einen Bürgerkrieg in Venezuela. Das ist keine Friedenspolitik!

Wir wissen: bei dieser Sicherheitskonferenz im Bayrischen Hof geht es nicht um die Sicherheit der Menschen, es geht um die Sicherheit von Interessen, von Kapital, von Wirtschaft, von multinationalen Unternehmen.

Ich muss leider bei Außenminister Maas weitermachen und einem Vorfall der illustriert, wie wenig es ihm um die Sicherheit von Menschen geht. Er war jüngst im Irak und erklärte dort auf einer Pressekonferenz, dass der Irak wieder sicher sei und hatte doch selbst bei diesem Termin eine schusssicherer Weste an. Das ist zynisch. Es gibt so viele Länder auf dieser Welt, die durch westliche Interventionen unsicher und zerstört wurden – so etwas als Sicherheitspolitik zu verkaufen, ist blanker Hohn und Abschiebungen in dies Gebiete sind unmenschlich!

Lasst mich abschließend zur größten Katastrophe kommen, die dennoch keinerlei relevante Rolle spielt, bei den Kriegstreibern im Bayrischen Hof: der Krieg und das Sterben im Jemen. Dies ist auch deswegen möglich, weil mit deutschen Waffen bombardiert und geschossen wird. Deutsche Schiffe tragen dazu bei, dass die Hungerblockade aufrechterhalten werden kann.  Gebt euch nicht damit zufrieden, dass es momentan eine Waffenruhe rund um die Hafenstadt Hudaida gibt, denn gleichzeitig wird durch die von Saudi-Arabien angeführte Koalition intensiver bombardiert als in den letzten vier Jahren.  Die Mitverantwortlichen für diesen Krieg, für das Sterben und Töten sitzen im Bayrischen Hof. Bitte stoppt diesen Wahnsinn sofort.

Wir haben eine Bundesregierung die sagt, wir können ja nichts machen, das sind Tochterfirmen die hier exportieren. Dass sie dabei nicht rot werden, wundert mich wirklich, denn sie wissen, dass sie das mit einfachen Gesetzesänderungen in den Griff bekommen könnten. Sie könnten dafür sorgen, dass der Export von Rüstungs-Know-How und der Export von ganzen Fabriken in Krisengebiete unter Strafe gestellt wird – aber sie wollen es nicht. Sie wollen diese Exporte, damit im Zuge dessen die Waffenproduktion für EU und NATO rentabler wird.
Wir sind hier, weil wir diesen Irrweg nicht mehr mitmachen wollen. Wir fordern einen umfassenden Stopp sämtlicher Waffenexporte.

Wir fordern den sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand im Jemen. All diejenigen die man dafür brauchen würde, sind gerade im Bayrischen Hof versammelt.

Eins ist klar: wir brauchen eure Waffen nicht. Wir wollen eure Aufrüstung nicht und genauso wenig wollen wir eure NATO. Wir brauchen auch keine militarisierte Europäische Union, aber vor allem brauchen wir das Geld, das ihr ins Militär steckt, um endlich den Hunger und das Elend auf dieser Welt bekämpfen zu können. Und sagt uns nie wieder, dafür wäre kein Geld da. Im letzten Jahr flossen 1.600 Milliarden weltweit ins Militär. Wen wir davon nur 20Prozent in Frieden und Entwicklung investieren könnten, dann hätte das elende Verhungern und Sterben an heilbaren Krankheiten ein Ende. Solange ihr das nicht tut, nennen wir die Politik die im Bayrischen Hof betrieben wird, Mord und Beihilfe zum Mord und kommen jedes Jahr wieder!

Anmerkung: Am 16. Februar demonstrierten tausende Menschen friedlich gegen die Kriegspolitik von Politikern, Militärs und Wirtschaftsvertretern, die sich an diesem Wochenende im Bayrischen Hof zur sogenannten „Sicherheitskonferenz“ versammelt hatten. Obwohl die Demonstration und die Menschenkette  vollständig friedlich verliefen, verhaftete die Polizei auf dem Marienplatz zu Beginn der Abschlusskundgebung zwei Personen. Deswegen hatte ich vor dem Beginn meiner Rede eine Aufforderung an die Polizei gerichtet.

„Zuerst einmal ein paar Worte an die Polizei. Wenn Sie jemanden verhaften wollen, dann habe ich da eine Adresse: Bayrischer Hof. Dann können Sie am Abend sagen, dass sie wirklich etwas getan haben um dem Frieden auf der Welt näher zu kommen. Aber jetzt und hier Friedensaktivisten festzusetzen, das ist doch ein völlig falscher Schritt.“

Anti Siko-Demo: der Artikel der LINKE.n

19. Februar 2019  Darum gibt es uns

 

Am vergangenen Samstag, den 16. Februar haben tausende Menschen in München friedlich gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz in München demonstriert.
Neben zahlreichen Aktiven aus der Partei und der Linksjugend, haben sich auch Heike Hänsel (MdB), Alexander Neu (MdB), Andreas Wagner (MdB), Ates Gürpinar (Landessprecher DIE LINKE. Bayern) und Claudia Haydt an der Demonstration beteiligt. Letztere hat eine kämpferische Rede zum Abschluss gehalten, die großen Beifall erntete.

Münchner Friedenskonferenz

18. Februar 2019  Darum gibt es uns

Quelle: Sputnik Deutschland

Parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz wird auch wieder die Internationale Friedenskonferenz stattfinden. Bereits zum 17. Mal versammeln sich Friedensaktivisten in München zu einem Forum und einer Demonstration. Initiator ist der inzwischen legendäre Claus Schreer. Sputnik hat ihn exklusiv zu den Zielen der Friedenskonferenz befragt.

Weiter durch das Klicken auf das Bild!

Erbärmliches Auftreten der LINKE.n

18. Februar 2019  Darum gibt es uns

Wo war die LINKE.?

Am vergangenen Samstag hat die jährliche Demonstration gegen sie sogenannte “Sicherheitskonferenz” in München, im Bayrischen Hof, stattgefunden.
Die Friedenspartei DIE LINKE. war nur am Rande, mit ein paar Wenigen anwesend. Der Landessprecher Ateć Gürpinar und der MdB Andreas Wagner wurden schweigend gesichtet, ähnlich wie “Baumarktverkäufer”, wenn man am Schraubenregal was sucht! Ich selbst habe lediglich 3 LINKE. Fahnen bemerkt.

Ist die Anti-Siko-Demo nicht eine der wichtigsten Veranstaltungen im laufenden Jahr, für den Frieden in der Welt, zu der eigentliche ALLE LINKE.n dabei sein sollten? Die Aufmerksamkeit um die Sicherheitskonferenz und der Protest dagegen ist international beachtet. Hat es DIE LINKE. nicht nötig, auf sich aufmerksam zu machen? m Programm der Partei DIE LINKE. ist doch der Wunsch nach Frieden weltweit verankert, oder hat man es nicht mehr nötig, sich gegen imperialistische Machenschaften der Geld-Mächtigen zu stellen?

Die MLPD, die KPD, #aufstehen!, die DFG-VK… und Ver.di, alle waren gut sichtbar und bekundeten ihren Unmut gegenüber den Kriegstreibern, die bei Gourmet-Küche und Champagner den Untergang der Welt planen!

Ich rufe die Parteispitze auf, nächstes Jahr, zum Protest bundesweit aufzurufen, die LINKE. mit so vielen Promis wie möglich, zu präsentieren, um der internationalen Öffentlichkeit die Ernsthaftigkeit der LINKE.n Friedensbemühungen deutlich zu machen!

 

…Beschämend

mit solidarischen Grüßen

Franz Grundschöttel

Parteimitglied der LINKE.n

Ergänzung von Bernhard Kusche:

Claudia Heydt, die Hauptrednerin, ist auch bei der LINKEN. Sie wurde angekündigt als Vorstandsmitglied der europ. LINKEN und als Mitglied im Beirat der IMI.
Du solltest deinen Artikel noch ergänzen.

Gruß B

 

Richtigstellung von Ateś Gürpinar, Landessprecher der LINKE.n Bayern:

Lieber Franz,
dann hast du die MdB's Alexander Neu, die Vizefraktionsvorsitzende Heike Hänsel,
die LINKEN-Kandidatin für die europäische Liste Claudia Haydt (die auch Interviews
machte und redete)sowie den eigenen Jugendblock (mit LINKEN-Fahnen) leider übersehen.
Wie in jedem Jahr war es auch dieses Mal so, dass die Anzahl der LINKEN-Prominenz
höher war als sonst bei auch viel größeren Demos in München. Ich hätte mir auch mehr
Fahnen gewünscht, aber so ist das manchmal. Naja, kann passieren, dass das mal durch
die Lappen geht und man nicht alle mitbekommt.
Ates

Riesen Andrang zur Beteiligung am Volksbegehren „Rettet die Bienen!“

11. Februar 2019  Darum gibt es uns

Am Samstag, den 09.02.2019 hatte das Bürgerbüro in Nördlingen eine Sonderöffnungszeit zum Eintragen in das Volksbegehren eingerichtet. Diese nutzten die Nördlinger in großer Zahl um ihre Stimme zur Rettung der Artenvielfalt abzugeben. Gleichzeitig mit der Sonderöffnungszeit im Bürgerbüro waren die Aktivisten für das Volksbegehren ‚Rettet die Bienen‘ an zwei Infoständen in der Nördlinger Fußgängerzone und sogar eine Schülergruppe des Theodor Heuss Gymnasiums, die Arbeitsgruppe ‚Bienen und Honig‘, in Imkermontur, unterwegs und hat Passanten aktiv auf das Volksbegehren aufmerksam gemacht. Die Warteschlange vor dem Bürgerbüro riss bis 12:00, dem Büroschluss nicht ab. Die Offene LINKE.Ries e.V. unterhielt den Infostand am Kriegerbrunnen, wo extra zu diesem Anlass das sogenannte Bienen-Mobil aus München zu Hilfe kam. Es wurden gute, informative Gespräche, unter Anderem auch mit Landwirten, konventioneller Ausrichtung, geführt. Die Aktivisten der Offenen LINKE.n konnten mit dem Vorwurf des ‚Bauern-Bashing‘ (Die Bauern sind Schuld) aufräumen und einige Missverständnisse richtigstellen!
Auch in dieser wichtigen Kampagne sind ‚Fake-News‘ im Umlauf, wie so oft, wenn die Interessen verschiedener Gruppierungen aufeinander treffen. So behauptet die Propaganda-Abteilung des Bayrischen Bauern Verbandes, daß lediglich bis zu 22% der Insekten ‚gefährdet‘ sein und die Bienen, Galionsfigur des Volksbegehrens, sogar in der Population zunehmend sei, mit 200.000 Völkern vor 10 Jahren und einem heutigen Stand von 300.000 Völkern, bei den Nutzbienen.
Dass es aber um das Jahr 1900 etwa 2.000.000 Völker Nutzbienen waren, verschweigt er.
Die sogenannte ‚Krefelder-Studie‘, durchgeführt von promovierten Wissenschaftlern aus eben Krefeld belegt eindrücklich, dass die Biomasse der Insekten um 76% geschrumpft ist!
Lichtverschmutzung sei Schuld am ‚geringfügigem‘ Rückgang der Insektenvielfalt!
Herr Dr. Andreas Segerer, Uni München, hat dem widersprechend heraus gearbeitet, dass der Anteil der nachtaktiven Falterarten um -31% schrumpfte, der Anteil der tagaktiven Falterarten jedoch um -39%. Wäre also die Lichtverschmutzung Hauptgrund für das Artensterben, würden diese Zahlen anders aussehen. Weiter führt Dr. Segerer aus, das auch der Klimawandel bei uns in Bayern nicht die Hauptschuld trägt, sondern die Überdüngung der Gärten und Felder mit Stickstoffverbindungen, die Monokulturen und auch die Luftbelastung, verursacht von Industrie und Verkehr hauptsächlich verantwortlich zu machen sind.

Noch bis einschließlich dem 13. Februar können Unentschlossene und Nachzügler ihre Unterschrift für das Volksbegehren im zuständigen Rathaus leisten.

Der wahre Hintergrund des Insektensterbens

05. Februar 2019  Darum gibt es uns

Wer sich mit den Klassikern der Literatur beschäftigt, trifft des Öfteren auf die Beschreibung von Naturzuständen, die schon unsere Eltern und Großeltern nicht mehr kannten.

Durch die Zentralisierung und stetige Vergrößerung der Landwirtschaft, durch die Aneignung der Allmende (das waren landwirtschaftliche Flächen in Gemeineigentum) durch meist adlige Grundbesitzer, die Mechanisierung der Landwirtschaft durch immer bessere Arbeitsgeräte – endend mit den modernen riesigen, oftmals computergesteuerten Traktoren und Maschinen – wurde nicht nur die Ertragskraft des Bodens immens gesteigert, dabei aber in verheerendem Ausmaß die „Lebenskraft“ des Bodens zerstört. Damit ging die Vernichtung der seit der letzten Eiszeit entstandenen Flora und Fauna einher. Schon Goethe beklagt, dass die ihm seit seiner Jugend bekannten Insekten teilweise fehlen . . .

Seit der Entdeckung, dass Düngemittel künstlich hergestellt werden können, erhöhte sich das Tempo der Veränderung (= Verschlechterung) rasant. Heute stehen wir vor dem Scherbenhaufen des Fortschritts aus biologischer Sicht, mit ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Spezies. Gerade die letzten Jahrzehnte seit dem 2. Weltkrieg haben eine vernichtende Bilanz des Rückgangs und Verschwindens von Insekten, Vögeln, Säugetieren, Amphibien, Pflanzen, intakten Ökosystemen und und und vorzuweisen.

Der Erfolg des angeblichen Fortschritts sind landwirtschaftliche Industriebetriebe, die den letzten bäuerlichen Hofstellen über kurz oder lang den Garaus machen und gleichzeitig vor allem mit ihren Tieren durch Massentierhaltung in absolut grausamer, verantwortungsloser, ja gesetzwidriger Weise verfahren. Nicht die sinnvolle Verwertung der Erzeugnisse ist Ziel, sondern die immer stärkere Ausbeutung des Bodens mit immer höheren Erträgen. Letztendlich geht es um die Akkumulierung von Kapital, um Anhäufung von Geld und dadurch um Macht. Sicherstellung der Versorgung mit Nahrungsmitteln steht schon lange nicht mehr im Vordergrund. Auch wenn manche Subventionen der EU bei der richtigen Stelle ankommen, so geht der Großteil doch an die Großbetriebe und dadurch auch an die Konzerne der chemischen Industrie, die, wie wir wissen, in recht kurzen Zyklen fusionieren und dadurch annähernd zu Monopolen anwachsen. Diese Monopole setzen ihre Macht gegebenfalls mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt, Klima und Ressourcen durch, was viele Beispiele in Süd- und Nordamerika, in Afrika und in Asien zeigen.

Fakt ist: ebensowenig wie Kapitalismus und Frieden zusammenpassen, passen Kapitalismus und Umweltschutz zusammen. Denn mit Frieden lässt sich ebensowenig Geld verdienen wie mit sinnvoller, umweltschützender Landwirtschaft.

Um der verhängnisvollen kapitalistischen Entwicklung ein Gegengewicht zu bieten, reicht es nicht, sich „nur“ für den Frieden, für den Umweltschutz, für einen menschlichen Umgang miteinander einzusetzen. Es gilt die Kraft hinter der inhumanen Politik dieser Welt anzuprangern und zu bekämpfen: den ungezügelten Kapitalismus, egal welcher Prägung: angelsächsisch, rheinisch, chinesisch – Kapital ist international und kennt keine Grenzen. Auch nicht die Protagonisten dieser für unseren Planeten gefährlichen Gesellschaftsform.

Warum sind die Bauern gegen die Bienen?

03. Februar 2019  Darum gibt es uns

Für Bienen ist das eine Wüste…

Das Spiel der Millionen-Bauern kennt der/die einfache Bayer*in schon seit Jahrzehnten. Vordergründig “sann’s dé Buama vom Land, dé wiss’n scho wia’s gäd!” “Dä Gloana soin’s Mai hoid’n und uns mocha loss’n!”
Viele Bauern sind Öko-Bauern, die ihre Erzeugnisse selbst verbrauchen und die Überschüsse auf den Markt bringen und dort verkaufen. So war das auch gedacht, der Markt als Teil der Wirtschaft – nur ist dieses Modell zur Marktwirtschaft verkommen: Bauern produzieren auf immer größer werdenden Feldern, mit immer größer werdenden Maschinen, für immer größer werdende Firmen, die ja die ‘Welternährung’ bestreiten müssen! Mit Unterstützung der Chemischen Industrie (argarheute vom 27.11.2018) wird die EU-Landwirtschaft zum kommerziellen Globale-Player gemacht, vom Lobbyismus. Die landwirtschaftliche Überproduktion durch Agrarfabriken, nicht durch kleine Bauern, zerstört, subventioniert, die Lebensräume der Insekten, der Vögel, Tiere und des Menschen.
Riesige Maisfelder zur Stromgewinnung, Rübenfelder zur Zuckergewinnung, gigantische Zwiebelfelder und Mega-Treibhäuser zur Gemüsegewinnung überschwemmen die Großmärkte in Europa, wodurch die Erzeugnisse zu Dumpingpreisen an Supermärkte gehen und die übrigen z.B. holländischen Zwiebeln werden ins EU-Ausland exportiert, was die Wirtschaft der dortigen Länder empfindlich trifft. Das ist einer der Haupt-Fluchtursachen, die wir Deutschen so gerne verleugnen.

Fridays for Future

29. Januar 2019  Darum gibt es uns

 

Die Offene LINKE.Ries e.V. ruft die Jugendlichen im Ries auf, dem leuchtenden Beispiel der jungen Schwedin zu folgen und sich einfach nächsten Freitag Vormittag (einfach jeden Freitag) am Kriegerbrunnen in Nördlingen zu treffen, um für den Klimaerhalt (gegen den Klimawandel) zu demonstrieren!

Sahra und Dietmar gedenken Rosa und Karl

14. Januar 2019  Darum gibt es uns

15,5 Millionen droht Armut

09. Januar 2019  Darum gibt es uns

Quelle: ntv.de

In Deutschland muss fast jeder Fünfte mit finanziellen Entbehrungen leben und soziale Ausgrenzung fürchten. In der gesamten EU liegt der Anteil sogar noch höher. Obwohl die Zahl der Betroffenen leicht zurückgeht, spricht der Sozialverband VdK von einem Skandal.