Offener Brief an die bayrische Staatsregierung

22. Dezember 2018  Darum gibt es uns

Offene LINKE.Ries e.V. Eichendorffstraße 11 86732 Oettingen i. Bay.

Bayrische Staatsregierung
z.H. Herrn Herrmann – Innenministerium
Franz-Josef-Strauss-Ring 1
80539 München

Sehr geehrter Herr Minister Herrmann!

Vor einigen Wochen der „Semmelaufstand“ in Donauwörth, vor wenigen Tagen der Krawall im Ankerzentrum in Bamberg . . .
Die Abstände des Ausrastens von in Lagern gepferchten Menschen, die eigentlich der Freiheit wegen zu uns gekommen sind, werden kürzer.

Weswegen rasten diese Menschen aus? Sind es Krawallmacher, wie so gerne postuliert wird? Sind es gar Kriminelle, wie sehr schnell unterstellt wird?

Es sind Menschen, die aus Existenzangst ihre Heimat verlassen. Existenzangst aus politischen Gründen, aber auch aus existenziellen Notlagen heraus. Was ist nun eine existenzielle Notlage? Muss der Mensch kurz vor dem Verhungern sein, vor dem elendigen Krepieren, wie es zur Zeit im Jemen geschieht? Oder genügt es, in der Heimat keine ausreichende – und damit ist nicht unsere „Mittelstandsdenke“ gemeint – menschliche Zukunft mehr zu sehen?

Warum verließen im 19. Jahrhundert Millionen Menschen Europa? Ein Teil der Auswanderer hatten Angst vor dem Verhungern. Ein weitaus größerer Teil hatte Sorge um die eigene Zukunft, war Repressionen der ewig Gestrigen ausgesetzt, der gesellschaftliche Fortschritt wurde ihnen verweigert. Auch das kann ein Verhungern sein, ein geistiges Verhungern.

Übertragen Sie die damaligen Verhältnisse auf die heutige Zeit und in die afrikanischen Länder und in die kurdische Teile der Türkei. Den Menschen dort geht es heute noch weitaus schlechter als damaligen Flüchtlingen Richtung Amerika – denn sie mussten Jahrhunderte Kolonialismus und müssen noch heute Sklaverei erleiden, mussten und müssen mit ansehen, wie ihre Länder ausgeplündert wurden und werden von wenigen Menschen, die sich unerhörten Reichtum aneignen. In der Türkei werden Menschen vom faschistischen System verfolgt, angeklagt und weggesperrt, oder verschwinden einfach. Kein Mensch verlässt gerne oder mutwillig seine Heimat. Der Weg der Afrikaner zu uns ist weitaus gefährlicher als der Weg der Auswanderer seinerzeit.
Die Geflüchteten enden dann hier bei uns als unerwünschte, Kosten verursachende Behördenzahlen. Genau dieser unmenschliche, bürokratische, inhumane und dem Völkerrecht widersprechende Umgang schürt Hass und fördert Gewalt.

Es ist für die europäischen Staaten ein Leichtes, die ankommenden Menschen zu unterstützen, aus ihnen anerkannte und leistungsbereite Bürger*Innen zu machen. Ein paar Panzer, ein paar Flugzeuge weniger, Lehrer statt Offiziere, Sozialarbeiter statt Polizisten, Erzieher statt Soldaten – das ist der vernünftige und durchaus gangbare Weg.

Sie wissen, Gewalt erzeugt Gegengewalt. Sie sind in der Lage, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Tun Sie es! Nur die Eitelkeit der angeblich „besorgten“ Bürger*Innen und die noch größere Eitelkeit der handelnden Politiker*Innen verhindern eine dezentrale, menschliche, menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten. Tun Sie etwas, machen Sie aber das Menschliche! Werden Sie Ihrem Amt gerecht! Lösen Sie die Ghettos auf!

Franz Grundschöttel

1. Vorsitzender
Offene LINKE.Ries e.V.
Eichendorffstraße 11
86732 Oettingen i. Bay.


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